Der Aufenthaltsraum in London, in dem während meiner CTT-Ausbildung 2014 vieles ins Wanken kam – und Vertrauen entstehen durfte.

Als ich aufhörte, Sicherheit zu suchen

Einer meiner wichtigsten Werte ist heute Vertrauen im Umgang mit Unsicherheit – und die daraus entstandene Gelassenheit in der Unsicherheit.

Das klingt ruhig. Klar. Vielleicht sogar selbstverständlich.

Doch für mich war es das lange nicht.

2014, während meiner Cultural Transformation Tools Ausbildung in London, geriet vieles ins Wanken, was mir bis dahin Halt gegeben hatte: meine Pläne, meine Vorstellungen von Kontrolle, mein Bedürfnis nach Sicherheit.

Rückblickend war genau das der Anfang einer tiefen Veränderung. Nicht, weil plötzlich alles leicht wurde, sondern weil ich begann, der Unsicherheit nicht mehr nur auszuweichen, sondern ihr zu begegnen.

Mein früherer Umgang mit Unsicherheit

Ich gehörte lange zu den Menschen, die Sicherheit mit Stabilität gleichgesetzt haben.
Mit klaren Zielen. Mit guten Entscheidungen. Mit dem Gefühl, vorbereitet zu sein.

Unsicherheit bedeutete für mich:
etwas nicht im Griff zu haben.
Nicht zu wissen, wie es weitergeht.
Vielleicht sogar zu scheitern.

Also habe ich geplant, analysiert, vorausgedacht.
Das hat mir oft geholfen – aber innerlich auch müde gemacht.

Denn das Leben hält sich bekanntlich nicht an unsere Konzepte.

Die Cultural Transformation Tools Ausbildung als Wendepunkt

In der CTT-Ausbildung in London wurde ich mit genau dem konfrontiert, was ich am liebsten vermieden hatte:

Nichtwissen. Offenheit. Kontrollverlust.

Es gab Momente, in denen mir der Halt fehlte.
Ohne Strategie. Ohne fertige Antwort. Ohne festen Boden unter den Füßen.

Und gleichzeitig gab es dort einen Raum, der das gehalten hat.
Menschen. Stille. Prozesse, die nicht beschleunigt werden konnten.

Zum ersten Mal habe ich nicht versucht, diese Unsicherheit sofort zu beseitigen.

Ich bin geblieben.

Mit dem Unbehagen.
Mit den Fragen.
Mit dem Zittern.

Und langsam – fast unmerklich – hat sich etwas verschoben.

Was „Vertrauen im Umgang mit Unsicherheit“ für mich heute bedeutet

Heute bedeutet dieser Wert für mich nicht, keine Angst mehr zu haben.
Oder alles gelassen hinzunehmen.

Er bedeutet:

  • nicht sofort handeln zu müssen
  • nicht alles verstehen zu wollen
  • mir selbst auch im Nichtwissen zu vertrauen
  • Entscheidungen reifen zu lassen
  • innerlich einen Schritt zurückzutreten, wenn es eng wird

Und manchmal einfach zu sagen:

Ich weiß es gerade nicht. Und das ist in Ordnung.

Aus diesem Vertrauen ist mit der Zeit etwas Neues entstanden:
eine Gelassenheit, die nicht von äußeren Umständen abhängt, sondern von meiner inneren Haltung.

Was sich dadurch in meinem Leben verändert hat

Ich treffe Entscheidungen heute langsamer und klarer.
Ich halte Spannungen länger aus.
Ich bin ehrlicher mit mir selbst, wenn ich etwas nicht weiß oder nicht kann.

Beziehungen sind tiefer geworden, weil ich mich nicht mehr hinter Sicherheit verstecken muss.

Meine Arbeit ist echter geworden, weil ich nicht mehr so tue, als hätte ich immer Antworten.

Und vor allem:

Ich empfinde das Leben nicht mehr als etwas, das kontrolliert werden muss, sondern als etwas, dem ich begegnen darf.

Eine Einladung an dich

Vielleicht kennst du dieses Gefühl, wenn alles offen ist.
Wenn Pläne brüchig werden.
Wenn alte Sicherheiten nicht mehr tragen.

Vielleicht versuchst du dann – so wie ich früher – möglichst schnell wieder festen Boden zu finden.

Ich möchte dich einladen, etwas anderes zu versuchen:

Nicht sofort zu fliehen.
Nicht sofort zu reparieren.
Nicht sofort zu verstehen.

Sondern einen Moment zu bleiben.

Vielleicht liegt in der Unsicherheit nicht nur Gefahr, sondern auch eine leise Form von Freiheit.

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