Auf dem bunten Wertekreis liegen rote Werte-Karten: Gerechtigkeit in der Mitte, umgeben von Welt verbessern, Sorgfalt und Mut – sichtbar verteilt im Farbrad.

Gerecht für mich. Gerecht für dich.

Eine Spielidee, die zeigt, wie unterschiedlich Gerechtigkeit wirklich sein kann

Gerechtigkeit klingt nach etwas Eindeutigem.

Nach klaren Regeln.

Nach fairen Entscheidungen.

Doch wenn wir genauer hinschauen, wird schnell deutlich:

Was für mich gerecht ist, muss für dich noch lange nicht gerecht sein.

Und genau hier wird es spannend.

Denn Gerechtigkeit entsteht nicht automatisch dadurch, dass alle das Gleiche bekommen.

Sie entsteht dort, wo Bedürfnisse, Perspektiven und Werte sichtbar werden.

Diese Übung lädt dazu ein, genau das gemeinsam zu entdecken.

Was du brauchst

  • Das Wertekartenspiel
  • Zwei Menschen, die neugierig aufeinander sind

Die Übung funktioniert aber auch alleine als Perspektivwechsel.

Eine Situation auswählen

Denkt an eine konkrete Situation, in der Gerechtigkeit eine Rolle spielt.

Zum Beispiel:

  • die Verteilung von Aufgaben
  • Zeit miteinander
  • Aufmerksamkeit
  • Verantwortung
  • Entscheidungen in der Familie
  • Zusammenarbeit im Team
  • Konflikte in der Schule

Wichtig ist nur:

Es sollte eine Situation sein, die beide kennen.

Schritt 1: Deine Werte sichtbar machen

Sortiere die Wertekarten wie gewohnt in die Kategorien:

  • Sehr wichtig
  • Wichtig
  • Nicht sicher
  • Egal

Wähle anschließend die Werte aus, die in dieser Situation für dich besonders wichtig sind.

Lege diese Werte in den Wertekreis.

Schritt 2: Die Werte der anderen Person

Nun macht die andere Person dasselbe.

Oder du versuchst, ihre Sichtweise einzunehmen:

Welche Werte könnten für sie in dieser Situation wichtig sein?

Auch diese Werte werden in den Wertekreis gelegt.

Schritt 3: Gemeinsam hinschauen

Jetzt wird es interessant.

Betrachtet die beiden Wertelandschaften.

Fragt euch:

  • Wo sind wir uns ähnlich?
  • Wo unterscheiden wir uns?
  • Welche Werte tauchen bei uns beiden auf?
  • Welche Werte sind nur einer Person wichtig?

Oft entstehen dabei überraschende Erkenntnisse.

Die entscheidende Frage

Wenn alle Karten sichtbar sind, stellt euch gemeinsam die Frage:

Was wäre jetzt gerecht – für dich und für mich?

Nicht unbedingt gleich.

Nicht perfekt ausgewogen.

Sondern stimmig.

Für beide.

Warum die Übung wirkt

Viele Konflikte entstehen nicht, weil Menschen ungerecht sein wollen.

Sondern weil sie unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was gerecht ist.

Die Übung macht diese Unterschiede sichtbar.

Ohne Vorwürfe.

Ohne Schuldzuweisungen.

Stattdessen entsteht Verständnis.

Und manchmal auch eine neue Lösung.

Für Schule, Teams und Familien

Die Spielidee eignet sich besonders für:

  • Schulsozialarbeit
  • Klassenrat
  • Familiengespräche
  • Teamreflexionen
  • Konfliktklärung
  • Coaching und Beratung

Überall dort, wo Menschen unterschiedliche Bedürfnisse und Perspektiven miteinander in Einklang bringen möchten.

Mit dem Wertekreis Perspektiven wechseln

Der Wertekreis hilft dabei, nicht nur die eigenen Werte zu erkennen.

Sondern auch die Werte anderer Menschen wahrzunehmen.

Und genau dort beginnt oft ein tieferes Verständnis füreinander.

Ein Gedanke zum Schluss

Gerechtigkeit ist kein Maßband.

Sie ist eine Beziehung.

Sie entsteht dort, wo Menschen bereit sind, ihre Perspektive zu zeigen und die Perspektive anderer zu sehen.

Und manchmal beginnt genau dort ein Gespräch, das vorher nicht möglich war.

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