Mehr als Wissen: Der Werteauftrag von Schule
Share
Schule vermittelt Wissen.
Das ist unstrittig.
Weniger präsent ist oft, dass Schule darüber hinaus einen klaren gesetzlichen Werteauftrag hat.
Dieser ist in den Schulgesetzen aller Bundesländer verankert und gehört zum professionellen Selbstverständnis von Schule.
Ein Blick auf diesen Auftrag lohnt sich – gerade in Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheit, wachsender Vielfalt und zunehmender Konflikte im schulischen Alltag.
Schule hat einen Bildungs- und einen Erziehungsauftrag
Die Schulgesetze formulieren einen doppelten Auftrag:
- Vermittlung von Wissen, Kompetenzen und Fähigkeiten
- Erziehung zu verantwortungsbewusstem, sozialem und demokratischem Handeln
Dieser Erziehungsauftrag ist kein Zusatz und keine freiwillige Leistung einzelner Schulen.
Er ist gesetzlich festgeschrieben.
Schule soll Kinder und Jugendliche dabei unterstützen, sich zu orientieren, Haltung zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst, für andere und für die Gesellschaft.
Welche Werte sind gemeint?
Die Schulgesetze benennen – teils explizit, teils sinngemäß – eine gemeinsame Wertebasis. Dazu gehören insbesondere:
- Achtung der Menschenwürde
- Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
- Verantwortung und Mitgestaltung
- Toleranz und Respekt gegenüber Vielfalt
- Solidarität und soziale Verantwortung
- Friedensfähigkeit
- Nachhaltiges Denken und Handeln
Diese Werte bilden den normativen Rahmen schulischer Bildung.
Sie gelten für alle Schulformen und Altersstufen.
Werte wirken nicht durch Texte, sondern im Alltag
Werte lassen sich nicht allein durch Lehrpläne oder Schulprogramme vermitteln. Sie werden erfahrbar im täglichen Miteinander:
- im Umgang mit Konflikten
- in der Art, wie Entscheidungen getroffen werden
- im Verhältnis von Erwachsenen und Kindern
- im Umgang mit Unterschiedlichkeit
- in Sprache, Haltung und Beziehung
Gerade dort, wo es schwierig wird, zeigt sich, welche Werte eine Schule trägt.
Wertebildung findet daher nicht nur im Unterricht statt, sondern in allen Bereichen des Schulalltags.
Warum es Räume für Wertedialoge braucht
Kinder und Jugendliche bringen eigene Werte, Erfahrungen und Prägungen mit. Wenn diese nicht angesprochen werden, bleiben sie wirksam, aber unsichtbar.
Das bewusste Sprechen über Werte:
- schafft Orientierung
- reduziert Konflikte
- stärkt Gemeinschaft
- fördert demokratische Kompetenzen
- entlastet pädagogische Fachkräfte
Wertearbeit bedeutet nicht, Werte „vorzugeben“, sondern sie gemeinsam sichtbar, verhandelbar und reflektierbar zu machen.
Argumentationshilfe für Schulleitungen
Für Schulleitungen stellt sich häufig die Frage:
Wie begründen wir Wertearbeit gegenüber Kollegium, Träger oder Schulaufsicht?
Zentrale Argumente:
- Rechtliche Grundlage
Wertebildung ist Teil des gesetzlichen Bildungs- und Erziehungsauftrags. - Qualität von Schule
Ein reflektierter Umgang mit Werten stärkt Schulklima, Beziehungsgestaltung und Lernatmosphäre. - Prävention
Bewusste Wertearbeit wirkt präventiv gegen Ausgrenzung, Gewalt und Eskalation. - Entlastung des Kollegiums
Gemeinsame Werteorientierung schafft Handlungssicherheit in schwierigen Situationen. - Demokratiebildung
Wertedialoge fördern Beteiligung, Urteilsfähigkeit und Verantwortungsübernahme. - Anschlussfähigkeit
Wertearbeit lässt sich gut mit bestehenden Formaten verbinden (Klassenrat, Ganztag, Schulsozialarbeit, Fortbildungen).
Wertearbeit ist damit keine zusätzliche Aufgabe, sondern eine professionelle Ausgestaltung des bestehenden Auftrags.
Werte sichtbar machen – praxisnah und alltagstauglich
Wertearbeit gelingt dann besonders gut, wenn sie niedrigschwellig, altersgerecht und dialogorientiert gestaltet ist.
Dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die sich gut in bestehende schulische Strukturen integrieren lassen, zum Beispiel:
- regelmäßige Gesprächsformate in Klassen oder Lerngruppen
- Wertedialoge im Klassenrat, im Ganztag oder in Projektzeiten
- Reflexionsrunden im Kollegium oder in pädagogischen Teams
- spielerische Zugänge zur Werteklärung, etwa mit strukturierten Materialien wie dem Wertekreis oder dem Wertekartenspiel, die Gespräche anregen und Orientierung bieten
- bewusste Anbindung an bestehende Schulentwicklungsprozesse
Solche Formate unterstützen dabei, Werte nicht abstrakt zu behandeln, sondern sie gemeinsam zu benennen, zu reflektieren und in Beziehung zum Alltag zu setzen.
Entscheidend ist dabei nicht das einzelne Instrument, sondern der geschaffene Raum für Austausch, Perspektivwechsel und gemeinsame Orientierung.
Fazit
Schule ist mehr als ein Ort der Wissensvermittlung.
Sie ist ein zentraler Ort gesellschaftlicher Wertebildung.
Wenn Werte gesetzlicher Auftrag sind, brauchen sie auch Zeit, Aufmerksamkeit und geeignete Formate im Schulalltag.
Wertearbeit stärkt nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern auch die Menschen, die Schule gestalten.