Als ich aufhörte, Sicherheit zu suchen
Share
Über Vertrauen im Umgang mit Unsicherheit
Einer meiner wichtigsten Werte ist heute:
Vertrauen im Umgang mit Unsicherheit.
Das klingt ruhig.
Fast selbstverständlich.
Doch lange Zeit war es das nicht.
Als Sicherheit mein Ziel war
Früher habe ich Sicherheit mit Kontrolle verwechselt.
Mit guten Plänen.
Mit klaren Entscheidungen.
Mit dem Gefühl, vorbereitet zu sein.
Unsicherheit bedeutete für mich:
- etwas nicht im Griff zu haben
- nicht zu wissen, wie es weitergeht
- Fehler zu machen
- die Orientierung zu verlieren
Also plante ich.
Analysierte.
Dachte voraus.
Das hat oft funktioniert.
Und gleichzeitig viel Energie gekostet.
Denn das Leben hält sich selten an unsere Vorstellungen.
Der Moment, in dem etwas ins Wanken geriet
2014 nahm ich an einer Ausbildung zu den Cultural Transformation Tools in London teil.
Dort begegnete ich etwas, das ich lange vermeiden wollte:
Nichtwissen.
Offenheit.
Ungewissheit.
Plötzlich gab es keine fertigen Antworten.
Keine klare Strategie.
Keinen festen Boden.
Und genau das machte mir zu schaffen.
Nicht sofort fliehen
Früher hätte ich versucht, die Unsicherheit möglichst schnell aufzulösen.
Eine Entscheidung zu treffen.
Eine Erklärung zu finden.
Einen Plan zu entwickeln.
Diesmal geschah etwas anderes.
Ich blieb.
Mit den Fragen.
Mit dem Unbehagen.
Mit dem Gefühl, nicht zu wissen, wie es weitergeht.
Nicht weil es angenehm war.
Sondern weil ich merkte, dass etwas in mir genau dort lernen wollte.
Was Vertrauen heute für mich bedeutet
Vertrauen bedeutet für mich nicht, keine Angst zu haben.
Und auch nicht, alles gelassen hinzunehmen.
Es bedeutet:
- nicht sofort handeln zu müssen
- nicht alles kontrollieren zu wollen
- Entscheidungen reifen zu lassen
- dem eigenen Prozess zu vertrauen
- auch im Nichtwissen bei mir zu bleiben
Manchmal zeigt sich dieses Vertrauen in einem einzigen Satz:
Ich weiß es gerade nicht.
Und das ist in Ordnung.
Die Gelassenheit dahinter
Mit der Zeit entstand aus diesem Vertrauen etwas Neues.
Gelassenheit.
Nicht die Gelassenheit, die aus Sicherheit entsteht.
Sondern die Gelassenheit, die auch dann bleibt, wenn Sicherheit fehlt.
Eine innere Haltung.
Kein Zustand.
Was sich verändert hat
Ich treffe Entscheidungen heute langsamer.
Und oft klarer.
Ich halte Spannungen länger aus.
Ich muss nicht jede Frage sofort beantworten.
Beziehungen sind ehrlicher geworden.
Weil ich mich nicht mehr hinter Gewissheiten verstecken muss.
Und meine Arbeit ist offener geworden.
Weil ich nicht mehr glaube, immer die richtige Antwort haben zu müssen.
Eine Einladung
Vielleicht kennst du solche Momente.
Pläne geraten ins Wanken.
Eine Entscheidung bleibt offen.
Alte Sicherheiten tragen nicht mehr.
Dann versuchen wir oft, möglichst schnell wieder festen Boden zu finden.
Vielleicht lohnt sich manchmal etwas anderes.
Nicht sofort lösen.
Nicht sofort verstehen.
Nicht sofort handeln.
Sondern einen Moment bleiben.
Mit dem, was gerade da ist.
Ein Gedanke zum Schluss
Vielleicht ist Unsicherheit nicht nur etwas, das überwunden werden muss.
Vielleicht ist sie manchmal auch ein Raum.
Ein Raum, in dem Neues entstehen kann.
Und vielleicht beginnt Vertrauen genau dort, wo wir aufhören, Sicherheit erzwingen zu wollen.